Sexualdelikte: Kerndelikte und Prozessuales

Sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Sexueller Übergriff, Sexueller Missbrauch von Kindern und Erwerb/ Besitz von Kinderpornographie stellen die Kerndelikte des Sexualstrafrechts dar. Dabei macht die Verteidigung gegen Vorwürfe dieser Delikte mehr als 95 % meiner täglichen Arbeit als Verteidigerin aus.

Relativ neu, und eingeführt mit der letzten Reform des Sexualstrafrechts im November 2016 ist der Tatbestand „Sexueller Übergriff“ gem. § 177 Abs. 1, 2 StGB. Der Tatbestand „Sexueller Übergriff“ fungiert hierbei nunmehr als „Grundtatbestand“ des reformierten § 177 StGB. 

Der Tatbestand sexuelle Nötigung sowie der Tatbestand Vergewaltigung sind demnach nunmehr besondere Begehungsweisen des Tatbestands Sexueller Übergriff.

Tathandlung des Tatbestands „Sexueller Übergriff“ sind sexuelle Handlungen an bzw. mit einer anderen Person gegen den erkennbaren Willen dieser Person. Ebenso sexuelle Handlungen dann, wenn die andere Person nicht in der Lage ist, einen entgegenstehenden Willen zu bilden oder zu äußern. Sei es, weil der Partner/ die Partnerin auf Grund ihres körperlichen oder psychischen Zustands in der Bildung oder Äußerung des Willens erheblich eingeschränkt ist. Oder sei es, dass der „Täter“ ein Überraschungsmoment der anderen Person für sexuelle Handlungen ausnutzt; diese also quasi „überrumpelt“.

Bei der Tatbestandsvariante sexuelle Nötigung ist Tathandlung, dass der „Täter“ eine Lage ausnutzt, in der dem Partner der sexuellen Handlung, dem sog. „Opfer“, bei Widerstand ein empfindliches Übel droht. Alternative Tathandlung ist ferner, dass der „Täter“ die andere Person zur Vornahme oder Duldung der sexuellen Handlung durch Drohung mit einem empfindlichen Übel genötigt hat.

Die Tatbestandsvariante Vergewaltigung als besonders schwerer Fall des Tatbestands Sexueller Übergriff mit einer Mindeststrafe von 2 Jahren Freiheitsstrafe ist immer dann erfüllt, wenn der „Täter“ mit dem „Opfer“ den Beischlaf oder beischlafähnliche Handlungen vollzieht, also sexuelle Handlungen, die mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind.

Verteidigung im Sexualstrafrecht unterscheidet sich enorm von Verteidigung gegen sonstige Delikte

Insbesondere die Verteidigung gegen die Vorwürfe Sexueller Übergriff, Sexuelle Nötigung, Vergewaltigung und Kindesmissbrauch unterscheidet sich besonders erheblich von der Verteidigung in anderen Bereichen des Strafrechts.

Denn die Verteidigung gegen die Vorwürfe Sexuelle Nötigung/ Vergewaltigung, Sexueller Übergriff und Sexueller Missbrauch von Kindern stellen insbesondere prozessual völlig unterschiedliche Anforderungen an die Verteidigung als die Verteidigung gegen Vorwürfe im übrigen Strafrecht:

So sind Verfahren wegen dem Vorwurf Sexuelle Nötigung, Sexueller Übergriff, Vergewaltigung und Sexueller Missbrauch von Kindern regelmäßig geprägt von einer Aussage-Aussage-Konstellation, Opferbonus, Falschbelastungen seitens der „Opfer“ aus den unterschiedlichsten Motiven (u.a. Rache, Vertuschen eines „Seitensprungs“, Sorgerechtsstreit), gesellschaftlicher Ächtung und Vorverurteilung.

Frühes Verteidigerhandeln erforderlich!

Eine gute und erfolgreiche Verteidigung gegen die Vorwürfe Sexueller Übergriff, Sexuelle Nötigung, Vergewaltigung und Sexueller Missbrauch muss in Anbetracht der gravierenden Folgen einer Verurteilung hohen Strafdrohung, Gefahr von Verdachtskündigung, Disziplinarverfahren, Approbationswiderrufsverfahren und Berufsverboten, Schmerzensgeldforderungen, Einreiseverboten in andere Staaten, selten gegebener Möglichkeit der Bewährung bzw. Erleichterungen im Strafvollzug sowie Öffentlichkeit der Hauptverhandlung sehr früh im Ermittlungsverfahren ansetzen.

Arbeit an der (Falsch)belastungsaussage!

Denn die Tatsache häufiger Falschbelastungen sowie der den vermeintlichen Opfern seitens Polizei und Gesellschaft nur allzu bereitwillig entgegengebrachte „Opferbonus“ bei gleichzeitiger „Vorverurteilung“ des „Täters“ erfordern von der Verteidigung dringend die fundierte und rechtzeitige Analyse der Belastungsaussage und der Aussageentstehung unter Hinzuziehung aussagepsychologischer Erfahrung und Kenntnisse. Je früher im Ermittlungsverfahren die Verteidigungsarbeit ansetzen kann, desto größer sind noch die Chancen, die öffentliche Hauptverhandlung und damit Presse, Öffentlichkeit und gesellschaftliche Diskreditierung zu vermeiden.

Geht Ihnen eine polizeiliche Vorladung zur Vernehmung zu, kontaktieren Sie mich bitte umgehend und machen Sie von Ihrem Schweigerecht gegenüber der Polizei Gebrauch! Nur so haben wir die Möglichkeit, gegen Sie erhobene Vorwürfe des Inhalts Sexuelle Nötigung, Sexueller Übergriff, Vergewaltigung oder Sexuelle Missbrauch erfolgreich und effektiv zu beenden.

Sie haben Fragen zum Sexualstrafrecht oder wünschen eine Beratung? Ich informiere Sie gern über die Gesetzeslage und aktuelle Änderungen, beispielsweise die Reform im Sexualstrafrecht 2016.

Bei Unklarheiten fragen Sie gerne jederzeit unter folgender Nummer nach 0621 33 58 356 oder nutzen das Kontaktformular.

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Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, er dient nur der ersten Orientierung. Für Fragen im Einzelfall vereinbaren Sie bitte einen Termin für eine zeitnahe Erstberatung in unserer Kanzlei in Frankfurt oder Mannheim, alternativ gerne auch telefonisch oder per E-Mail. Für eine Erstberatung planen Sie bitte rund eine Stunde Zeit ein.

Wir bearbeiten ausschließlich Mandate aus dem Sexualstrafrecht als Verteidiger. Selbstverständlich unterliegen ich als Rechtsanwältin und ebenso mein Team der Verschwiegenheit. Im Sexualstrafrecht stehen meist sensible Themen im Fokus - dabei muss Ihnen nichts unangenehm sein. Durch unsere langjährige Erfahrung und erfolgreiche Verteidigung widmen wir uns professionell und kompetent Ihrem Fall.