Der Missbrauch mit dem Missbrauch

Eigentlich bereits in den 90-ern hinreichend diskutiert, ist der sog. Missbrauch des Missbrauchs, also der Missbrauch mit dem Missbrauch, heute nach wie vor aktuell. So etwa sehr aktuell in einem meiner Verfahren als Kindesmissbrauch Anwalt im Raum Hannover. Auch dort soll mein Mandant nach Aussagen seiner getrennt lebenden Ehefrau die gemeinsame, knapp dreijährige Tochter sexuell missbraucht haben.

Strafanzeige wegen sexuellem Missbrauch neben Umgangsverfahren

Parallel zum im familiengerichtlichen Umgangsverfahren erstattete die Kindsmutter – getrieben von krankhaften Belastungseifer und eigener irrealer Vorstellungen – Anzeige gegen den Vater bei der Staatsanwaltschaft wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Glaubhaftigkeitsbegutachtung des Kindes

Verkürzt ergibt sich hier wie so häufig: wegen fehlender oder zumindest massiv eingeschränkter allgemeiner Aussage-/Zeugentüchtigkeit und komplett fehlender spezieller Aussagetüchtigkeit bleibt eine Glaubhaftigkeitsbegutachtung und -beurteilung des Kindes auf wissenschaftlicher Grundlage nicht möglich.

Aussage des Kindes kontaminiert

Weiter bleiben die Kindsaussagen bereits aufgrund der Befragungsmethode der Kindesmutter kontaminiert und invalidiert. Vielmehr handelt es sich bei den Aussagen des Kindes ausschließlich um Benennungen bzw. verbale Ja-Reaktionen des Kindes auf massiv lenkende und induzierende Fragen der Mutter. Sie haben keinerlei Beweiswert.

Demnach ergibt sich unter Anlegung der üblichen wissenschaftlichen Standards der aussagepsychologischen Kriterien für die Prüfung und Beurteilung der Glaubhaftigkeit einer Zeugenaussage auch hier nicht einmal ansatzweise einen Hinweis, dass der Verdacht des sexuellen Missbrauchs des Kindes durch seinen Vater auf einem realen Geschehen beruht.

Normative Vorstellungen der Mutter

Zwar mögen Beobachtungen der Mutter über angebliche möglicherweise missverständliche körperliche Intimität zwischen dem Vater und seiner Tochter zutreffen. Gleichzeitig entsprechen diese in ihrer Bewertung durch die Mutter deren persönlichen normativen Vorstellungen über Körperkontakte zwischen dem Vater und seinem Kind. Haben jedoch nichts mit sexuellem Missbrauch oder sexueller Gewalt zu tun.

 

  • Tatsächlich sexueller Missbrauch: eher selten.

Sicher – vereinzelt mag es sie geben – die Männer – oder besser: die Erwachsenen, Täter wie auch Täterinnen, – die tatsächlich Sex mit Kindern – also Personen vor Vollendung des 14. Lebensjahres – ausüben. Und damit den Tatbestand des sexuellen Missbrauchs von Kindern (§ 176 StGB, § 176 a StGB) verwirklichen.

Indes dürften sie nach wie vor die Seltenheit sein.

Denn: Tatsächlicher Missbrauch von Kindern und in der Form sexueller Handlungen an oder mit einem Kind kommen weitaus seltener vor, als die Presse mit einzelnen spektakulären Fällen dies glauben machen will.

Bloße Bestätigung lenkender Fragen

Vielmehr sind Aussagen von Kindern gegenüber ihrer Mutter über angeblichen sexuellen Missbrauch durch den Vater in aller Regel verbale Reaktionen auf unterstützende, lenkende und hoch suggestive Fragen ihrer Mutter über angeblich sexuellen Missbrauch. Dementsprechend beziehen sie sich im Wesentlichen auf die Bestätigung von der Mutter erfragte Sachverhalte mit „ja“. auch keine Sachverhaltsschilderungen, sondern fast ausschließlich eine eigenständige Aussage im Sinne der Erfordernisse einer zuverlässigen Zeugenaussage des Kindes fehlt demnach in aller Regel.

Erhöhte Suggestibilität

Hinzu kommt bei Kindern eine massiv erhöhte Empfänglichkeit für suggestive Einflüsse mit der Folge, dass z. B. Fragen der Mutter, ob irgendetwas möglicherweise passiert sein könnte, vom Kind bestätigend als angeblich erlebt aufgenommen wurde. Mit der Folge einer suggerierten Falschaussage, die aussagepsychologisch dann nicht mehr von Aussagen mit möglicher Erlebnisgrundlage zu unterscheiden ist.

Im Ergebnis ergibt sich damit aufgrund dieser entwicklungspsychologisch begründeten Unwägbarkeiten, dass bei kindlichen Zeugen oft nicht einmal ansatzweise die Mindestvoraussetzungen einer Aussagetüchtigkeit im Sinne einer Zeugentüchtigkeit vorliegen. Unter Zugrundelegung der wissenschaftlichen begründeten aussagepsychologischen Kriterien ist ihre Aussage damit ohne jede Bedeutung im Sinne eines Beweismittels.

 

  • Missbrauch und Umgangsverfahren

Der hauptsächliche und weitaus häufigere Missbrauch wird also leider in zunehmend extremen Maß durch Frauen, Kindesmütter- im familiengerichtlichen Umgangs- und Sorgerechtsverfahren, verübt. Denn: wenn schon Ehe oder Paarbeziehung scheitern, dann soll doch der Mann und Vater bitte auch keine Umgangskontakte mit dem gemeinsamen Kind genießen.

Eigentliches Opfer ist neben dem Mann dabei natürlich das Kind. Nur eines ist es nicht: Opfer sexuellen Missbrauchs.

Manche Frauen und Mütter gehen dabei leider sogar soweit, dass ihnen die Sabotage des Kindesumgangs noch nicht reicht. Offenbar soll der Ex-Partner zugleich nachhaltig wirtschaftlich wie sozial vernichtet werden.

 

  • Das Verfahren in Hannover

So etwa auch besonders extrem im hiesigen Ermittlungsverfahren im Raum Hannover.

Dort hatte die Kindesmutter sogar dreist behauptet, ihren Mann beim Missbrauch der Tochter „auf frischer Tat“ ertappt zu haben. Zu diesem Zeitpunkt waren die Tochter gerade einmal knapp 3 Jahre alt.

Versuch, den Missbrauchsverdacht zu verifizieren

Nahezu besessen von Hass und Vernichtungswillen gegenüber meinem Mandanten setze sie die klassische Aufdeckungsmethode, wie sie noch aus den Wormser Missbrauchsfällen des letzten Jahrhunderts bekannt ist, ein.

Bedeutet konkret: vor dem Hintergrund einer regelrechten Besessenheit versucht sie mit allen Mitteln, ihren Verdacht des sexuellen Missbrauchs durch bloße Aussagefragmente des Kindes zu verifizieren.

Geradezu getrieben von einer extremen Motivation, sozusagen alles und jedes als Hinweis für den angenommenen sexuellen Missbrauch zu bewerten, unterzieht sie ihre knapp 3-jährige Tochter stundenlangen, höchst suggestiven Befragungen, deutet sozialadäquate Zärtlichkeiten des Kindsvaters. Nacktsein vor den Kindern und seine eingeschränkte sexuelle Libido ihr gegenüber nutzt sie als Hinweise auf Pädophilie und damit als Beleg für den sexuellen Missbrauch.

Schmerzen am Mund des Kindes sind Anzeichen für „Schmerzen aufgrund der Vergewaltigung durch den Vater“.

 

  • Gutachter sollen entscheiden?

Nach umfangreichen und höchst suggestivem Befragungsmarathon durch die Kindesmutter u.a. vor laufender Kamera (!), dessen „Ergebnisse“ diese minutiös in einem Band mit Aufzeichnungen dokumentierte, ergebnisloser (!) rechtsmedizinischer Untersuchungen beider Kinder erfolgte sodann die Begutachtung durch eine Dipl.-Psychologin zur Frage des sexuellen Missbrauchs der Kinder und zum Besuchsrecht des Vaters.

Forensischer Aussagepsychologe im Strafverfahren

Ob glaubhaft ist, dass die Kinder, namentlich das ältere Kind, sexuelle Missbrauchserfahrungen durch ihren Vater erfahren haben und ferner, ob die diesbezüglichen Feststellungen sowie jene in Bezug auf Besuchsrecht des Vaters mit seinen Kindern aus dem Gutachten der familiengerichtlichen Sachverständigen schlüssig nachvollziehbar abgeleitet werden können, überprüfte sodann ein von der Verteidigung beauftragter aussagepsychologischer Sachverständiger.

Seine Stellungnahme basierte demnach neben der strafrechtlichen Ermittlungsakte auf den familiengerichtliche Akten, den „Aufzeichnungen“ der Kindesmutter sowie dem Sachverständigengutachten zur Frage des sexuellen Missbrauchs der Kinder und zum Besuchsrecht des Vaters.

Ergebnis: Belastungs’aussage‘ nicht glaubhaft

Das Ergebnis der Prüfung und Auswertung der gesamten Unterlagen verwunderte nicht:

Denn es führte zu dem Ergebnis, dass die Glaubhaftigkeit in Bezug auf den angeblichen sexuellen Missbrauch uneingeschränkt verneint werden musste.

Zudem, dass sich weder aus dem familiengerichtlichen Sachverständigengutachten noch aus der strafrechtlichen Ermittlungsakte bei Anlegung der üblichen wissenschaftlichen, theoretischen und methodischen Standards der Begutachtung und Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen auch nur der geringste Hinweis ergeben hat, dass die Kinder bzw. besonders das ältere Kind einen sexuellen Missbrauch durch ihren Vater erfahren haben. Mithin: es ergaben sich keinerlei Ansatzpunkte dafür, dass die Vermutung des sexuellen Missbrauchs der Kinder durch ihren Vater auf einem realen Geschehen beruht.

Familiengerichtliches Gutachten mangelhaft

Gleichzeitig erwies sich auch das – in derartigen Konstellationen einzuholen übliche familiengerichtliche Gutachten als mangelhaft: so verfing sich die Sachverständige mangels Operationalisierung des gerichtlichen Auftrags in psychologische Fragestellungen in juristisch nicht nachvollziehbaren Prüfungsschritten.

Etwa:

die Eltern der Kindesmutter, die Mutter des Vaters der Kinder sowie weitere Verwandte werden in die psychologischen Untersuchungen einbezogen; und die Eltern über frühere Partner und voreheliche Sexualität exploriert.

Indes ist dies weder durch die Frage nach den Besuchskontakten noch durch jene nach dem sexuellen Missbrauch indiziert.

Weiter fertigt die Sachverständige eine umfassende Persönlichkeitsskizze beider Eltern ohne Einsatz jeglicher objektiver Testverfahren. Hingegen unterlässt sie Interaktionsbeobachtung zwischen Vater und den Kind und Exploration des Kindes ohne Anwesenheit erwachsener Dritter.

Befangenheit der Sachverständigen

Gleichzeitig ergibt sich im Vergleich der Persönlichkeitsskizzierungen der Eltern fast ein Schwarz-Weiß-Gemälde, nämlich eine sehr positive Darstellung der Kindsmutter und eine zunehmend negativierende Beschreibung der Persönlichkeit des Vaters.

Im Ergebnis entsteht damit der Eindruck der Besorgnis der Befangenheit der Sachverständigen.

Für die Kinder bedeutet dies, dass der „Begutachtungsmarathon“ noch lange nicht zu Ende ist, zumal sich das familiengerichtliche Gutachten methodisch und wissenschaftlich als bereits derart mangelhaft erwies, dass es schlicht nicht verwertbar ist.

Damit hat es aufgrund seiner Mängel im familienpsychologischen Teil auch in Bezug auf ein Besuchsrecht des Vaters mit seinen Kindern einen nur sehr eingeschränkten Beweiswert.

Im Ergebnis muss sonach eine völlig neue Befunderhebung durchgeführt werden, da die Sachverständige die beschriebenen Mängel nachträglich ohne neue Befunderhebung nicht mehr ausgleichen kann.

Im Einzelnen:

  • Zur Frage der Glaubhaftigkeit von Aussagen angeblichen sexuellen Missbrauchs

Zunächst war festzustellen, dass eine Glaubhaftigkeitsprüfung auf wissenschaftlicher Grundlage ausscheiden muss, weil zunächst davon auszugehen war, dass die ältere der beiden kindlichen Zeuginnen zum Zeitpunkt ihrer Aussage gegenüber ihrer Mutter drei Jahre alt war.

Aussagetüchtigkeit

Grundvoraussetzung für eine jede aussagepsychologische Prüfung der Glaubhaftigkeit einer Zeugenaussage ist, dass der Zeuge aussagetüchtig ist.

Diese Fähigkeit bezieht sich vor allem darauf, ob ein Zeuge in der Lage ist, ein Geschehen realitätskontrolliert wahrzunehmen, im Gedächtnis zu speichern und zu einem späteren Zeitpunkt verbal zu reproduzieren.

Dazu gehören vor allen Dingen auch kommunikative Fähigkeiten, d. h. auf verbaler Ebene einen Sachverhalt verständlich für Dritte zu schildern.

Eine weitere Voraussetzung ist eine hinreichende Widerstandsfähigkeit gegenüber suggestiven Einflüssen sowie die Fähigkeit, erlebte Sachverhalte von anders generierten, beispielsweise Träume, Fantasien u. Ä. zuverlässig zu unterscheiden.

Die entwicklungspsychologische Forschung zur Entstehung von Aussage-/ Zeugentüchtigkeit in Abhängigkeit vom Lebensalter hat uneingeschränkt ergeben, dass Kinder frühestens ab dem dritten Lebensjahr nach strenger Prüfung im Einzelfall aussagetüchtig sein können.

Keine hinreichenden kommunikativen Fähigkeiten

Vor allen Dingen ist zu berücksichtigen, dass Kinder in diesem jungen Alter ohne permanente Unterstützung und Hilfe durch Erwachsene nicht zusammenhängend und eigenständig über einen angeblich erlebten Sachverhalt berichten können.

Ferner verfügen sie in der Regel nicht über hinreichende kommunikative Fähigkeiten, eine für Dritte verständliche Sachverhaltsschilderung zu machen.

Die Aussagen des älteren Kindes belegten dies eindeutig.

Kinder unter 4 Jahre: Keine Realitätskontrolle

Außerdem haben Kinder dieses Alters noch keine sichere Realitätskontrolle, zuverlässig zu unterscheiden zwischen erlebten Sachverhalten einerseits und solchen, die auf Träume, Fantasie oder nachträgliche Informationen durch Erwachsene zurückgehen.

Hohe Empfänglichkeit für suggestive Einflüsse

Ein besonderes und bekanntes Problem bei der Frage der Validität von Kinderaussagen ist außerdem, dass Vorschulkinder im Vergleich z. B. mit älteren Schulkindern hochgradig empfänglich sind für suggestive Einflüsse.

Mit der Folge, dass z. B. Fragen der Mutter, ob irgendetwas möglicherweise passiert sein könnte, vom Kind bestätigend als angeblich erlebt aufgenommen wurde.

Dies ist auch aus der empirischen Forschung bekannt, wonach gerade die Fragen eines Erwachsenen an ein jüngeres Kind, ob etwas Bestimmtes passiert sein könnte, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu suggerierten Falschaussagen führen.

Das Fatale daran: Diese sind dann nicht mehr von Aussagen mit möglicher Erlebnisgrundlage zu unterscheiden.

Erwachsene als glaubwürdige Autoritätspersonen

Dabei spielt vor allem eine Rolle, dass für Kinder im Vorschulalter Erwachsene noch uneingeschränkt glaubwürdige Autoritätspersonen sind und alles, was nach dem Verständnis eines Kindes Erwachsene meinen oder sagen, absoluten Faktizitätscharakter hat.

Keine hinreichend differenzierte Wahrnehmung

Bei Kindern in diesem Alter ist außerdem zu berücksichtigen, dass noch nicht von einer hinreichend differenzierten Wahrnehmung eines Sachverhalts der Kodierung und Speicherung im Gedächtnis und der Möglichkeit des Reproduzierens aus der narrativen Erinnerung ausgegangen werden kann.

Aussagetüchtigkeit nur bei stark akzelerierten Kindern

Soweit im Einzelfall von Aussagetüchtigkeit auszugehen ist, setzt dies voraus, dass es sich um ein Kind handelt, das z. B. in seiner kognitiven und sozialen Entwicklung weiter vorangeschritten, also akzeleriert, ist als andere Kinder in demselben Alter.

Hiervon war im konkreten Fall, wie in den allermeisten Fällen, nicht auszugehen. Vielmehr zeigten sich sogar Hinweise auf eine eher retardierte Entwicklung des Kindes. Insbesondere schien die Sprachentwicklung des Kindes offensichtlich verzögert zu sein, sodass bereits deswegen von einer zuverlässigen narrativen Erinnerung und den entsprechenden Aussagemöglichkeiten nicht ausgegangen werden kann.

Bestätigung der von der Mutter erfragten Sachverhalte

Dementsprechend lag auch hier eine eigenständige Aussage im Sinne der Erfordernisse einer zuverlässigen Zeugenaussage des Kindes nicht vor. Denn die Kindsaussagen gegenüber ihrer Mutter können nicht als Sachverhaltsschilderungen i.S. einer Zeugenaussage gewertet werden. Vielmehr bleiben sie fast ausschließlich verbale Reaktionen auf unterstützende, lenkende und hoch suggestive Fragen der Mutter und beziehen sich im Wesentlichen auf die Bestätigung von der Mutter erfragten Sachverhalte mit „ja“.

Wie zu erwarten, lag bei der kindlichen Zeugin damit einhergehend eine massiv erhöhte Empfänglichkeit für suggestive Einflüsse vor. Mit der Folge, dass z. B. Fragen der Mutter, ob irgendetwas möglicherweise passiert sein könnte, vom Kind bestätigend als angeblich erlebt aufgenommen wurde.

Gleichzeitig ein ganz natürliches Phänomen. Denn aus der empirischen Forschung ist bekannt, dass gerade die Fragen eines Erwachsenen an ein jüngeres Kind, ob etwas Bestimmtes passiert sein könnte, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu suggerierten Falschaussagen führen. Diese sind dann nicht mehr von Aussagen mit möglicher Erlebnisgrundlage zu unterscheiden.

Im Ergebnis ergibt sich damit aufgrund dieser entwicklungspsychologisch begründeten Unwägbarkeiten, dass bei der kindlichen Zeugin nicht einmal ansatzweise die Mindestvoraussetzungen einer Aussagetüchtigkeit im Sinne einer Zeugentüchtigkeit vorliegen. Unter Zugrundelegung der wissenschaftlichen begründeten aussagepsychologischen Kriterien ist ihre Aussage damit ohne jede Bedeutung im Sinne eines Beweismittels.

 

  • Allgemeine und Spezielle Aussagetüchtigkeit

Die Aussagepsychologie unterscheidet die Allgemeine Aussagetüchtigkeit von der Speziellen Aussagetüchtigkeit.

Die Aussagetüchtigkeit ist Grundvoraussetzung der Glaubhaftigkeit einer Zeugenaussage.

Hierbei beinhaltet die Allgemeine Aussagetüchtigkeit die Fähigkeit, ein Geschehen realitätskontrolliert – und das heißt frei von suggestiven Einflüssen- wahrzunehmen. Ferner, im Gedächtnis ohne Vermischung mit anders generierten Gedächtnisinhalten wie Träumen und Fantasien zu speichern. Sowie, zu einem späteren Zeitpunkt verbal zu reproduzieren, also einen Sachverhalt verständlich für Dritte zu schildern.

Die Spezielle Aussagetüchtigkeit ist jene Aussagetüchtigkeit, die sich auf das jeweils konkret fragliche Geschehen, über welches ein Zeuge berichtet, bezieht.

Diese kann durch eine entsprechende Befragungsmethode – wie im vorliegend beschriebenen Fall – invalidiert und damit zu verneinen sein.

Etwa durch Anwendung der „klassischen Aufklarungsmethode“, mit der die das Kind befragende Mutter auf nahezu besessene Weise versucht, ihren Verdacht, der Vater habe das Kind sexuell missbraucht, durch bloße Aussagefragmente des Kindes zu verifizieren.

Selbst wenn man also von einer allgemeinen Aussagetüchtigkeit des Kindes ausgehen würde, wäre bei gegebenen Umständen hierdurch die spezielle Aussagetüchtigkeit des Kindes zu verneinen.

Klassische Aufklärungsmethode

Durch Anwendung der „klassischen Aufklarungsmethode“ versucht die befragende Mutter, ihre Unterstellung, der Vater habe das Kind sexuell missbraucht, durch bloße Aussagefragmente des Kindes krampfhaft zu verifizieren.

Denn getrieben von einer extremen Motivation, sozusagen alles und jedes als Hinweis für den angenommenen sexuellen Missbrauch zu bewerten, deutet sie rückblickend etwa auch die eingeschränkte sexuelle Libido ihr gegenüber als Hinweise auf Pädophilie ihres Mannes und als Beleg für den sexuellen Missbrauch. Ebenso Schmerzen am Genital und am Mund des Kindes sind Anzeichen für „Schmerzen aufgrund der Vergewaltigung durch den Vater“.

Dabei gehe es der Mutter – eigenen Aussagen zufolge – einzig darum, Beweise für ihren Verdacht des angeblichen sexuellen Missbrauchs zu finden. Dementsprechend fertigt sie handschriftliche Aufzeichnungen sowie einen kompletten Berichtsband, um ihren Verdacht über den angeblichen sexuellen Missbrauch unter allen Umständen zu verifizieren.

Die Folgen auf die Aussage des Kindes

Psychologisch konsequent stachelt ein derartiger suggestiver Befragungsmarathon der Mutter natürlich auch die Fantasie des Kindes an.

Zudem: entsprechend den empirischen Befunden zur Persönlichkeitstheorie sind hoch motivationale Prozesse in der Lage sind, die kognitiven Prozesse der Wahrnehmung gänzlich zu überformen und zu überlagern.

Vor diesem Hintergrund wird zweifelhaft, dass sich die angebliche Beobachtung der Mutter über eine sexuelle Handlung des Vaters gegenüber dem Kind überhaupt auf eine realitätskontrollierte Wahrnehmung in der Wachwirklichkeit bezogen hat.

Zunehmender Verlust jeglicher Realitätskontrolle

Im Ergebnis verliert die Kindsmutter zunehmend die Realitätskontrolle über ihre kognitiven Prozesse des Wahrnehmens und Denkens.

Mit der Folge, dass sie letztendlich – und psychologisch nachvollziehbar- sogar davon überzeugt ist, eine angebliche Verletzung bei dem Kind sei – entsprechend einer von ihr evozierten Aussage des Kindes- durch eine Bohrmaschine verursacht worden, die ihr „pädophiler und sadistischer Ehemann“ eingesetzt habe.

Unerträgliche psychische Belastung für das Kind

Bei diesem Verhalten verwundert nicht, dass der Kindsmutter jedwede Empathie für das Wohl ihres Kindes abhandengekommen ist.

Besonders das demonstrative Entsetzen, das sie bei ihren Befragungen dem Kind vermittelt hat, müssen für das Kind eine unerträgliche psychische Belastung gewesen sein.

Das in Bezug auf das Wohl des Kindes rücksichtslose Vorgehen gipfelt z. B. in dem Hinweis gegenüber dem Kind, dass dem Papa der Penis abgeschnitten werden und der abgeschnittene Penis in den Mülleimer geworfen werden soll.

In ihrem Beweissicherungseifer müssen auch Familienfotos herhalten, die für sich allein absolut nichts aussagen über den Verdacht eines sexuellen Missbrauchs.

Verlust jeglicher Empathie der Kindsmutter für das Kind

Aufgrund ihres Getriebenseins, ihren Verdacht über angeblichen den sexuellen Missbrauch unter allen Umständen zu erhärten, verliert die Kindsmutter jedwede Empathie für die Gefühle des Kindes.

Offenbar kann sich das Ausmaß unerträglicher psychischer Belastung für das Kind, das ja eine Bindung an seinen Vater hat bzw. hatte, bei der Vermittlung dieses Bildes von ihm nicht einmal vorstellen.

Insgesamt versucht die Kindsmutter bei der Befragung des Kindes damit permanent, ihrer Tochter ein extremes Negativbild von ihrem Vater zu vermitteln.

Auswirkungen auf die Aussage des Kindes

Nach Kenntnissen der empirischen Forschung führt ein derart konstruiertes Negativbild des Vaters naturgemäß zu einer extremen Wahrscheinlichkeit konfabulierter Negativaussage des Kindes über den Vater.

Denn ein so induziertes regelrechtes Monsterbild von dem Vater führt fast zwangsläufig zu negativen Assoziationen und begünstigt Aussagen von Sachverhalten auf imaginativer Ebene.

Die Kindsmutter induziert somit durch Vorgabe von Sachverhalten die Überzeugung beim Kind, Derartiges erlebt zu haben, das es dann bestätigt. Manches mutet regelrecht wie Gehirnwäsche an:

„Sag mir das noch mal, ich hab das nicht verstanden. Dir hat das hier wehgetan?“ Kind bestätigt. „Der hat dir beim Wickeln wehgetan?“ Kind bestätigt und zeigt auf sein Gesicht. „Der hat in deinen Mund gemacht?“ Kind sagt: „Gebissen.“ „Der Papa hat in deine Hand gebissen?“ Mädchen bestätigt.

Entstehung weiterer Aussagen des Kindes

Auf diese Weise kommt es auch zu weiteren Aussagen.

Demnach berichtet die Kindsmutter sodann gegenüber den Ermittlungsbehörden über weitere sexuelle Missbrauchshandlungen in der Form, dass der Vater den Penis nun auch in den Mund des Kindes gesteckt habe.

Tatsächlich aber findet sich eine derartige Aussage als Sachverhaltsschilderung in den Kindsaussagen überhaupt nicht. Dementsprechend also anzunehmen ist, dass es sich lediglich um die verbale Bestätigung in Form von „ja“ auf entsprechende hoch suggestive und lenkende Vorgabefragen der Mutter handelt.

Familiengerichtliche Sachverständigengutachten oft angreifbar

Die Annahme, dass ein Kind sexuelle Missbrauchserfahrungen durch den Vater gemacht habe, stützt sich im familienrechtlichen Verfahren vor allem auf familiengerichtliche Gutachten.

Bereits dies ist juristisch angreifbar. Denn die Prüfung der Faktizität eines sexuellen Missbrauchs überschreitet die Kompetenzen eines psychologischen Sachverständigen. Vielmehr ist sie Sache des Familiengerichts.

Tatsächlich sind diese indes von zentraler Bedeutung, während es keine zuverlässigen objektiven Beweise für den angeblichen sexuellen Missbrauch der Kinder durch Väter gibt.

Fatal, denn bei näherer Betrachtung erweisen sich familiengerichtliche Gutachten indes als zumeist uneingeschränkt unverwertbar aufgrund massiver theoretischer und methodischer Mängel (Fehler und Versäumnisse).

So lassen familiengerichtliche Sachverständige noch immer die wissenschaftlichen Mindeststandards einer Begutachtung und Beurteilung von Zeugenaussagen, die in Übereinstimmung mit den Ergebnissen der empirischen Forschung vom BGH in seinem Beschluss von 1999 bestätigt wurden, völlig unberücksichtigt; insbesondere arbeiten sie selten hypothesengeleitet. Dies ist fatal, bleibt doch auf diese Weise die Prüfung der Hypothese der – in sexuellen Missbrauchsverfahren sehr häufig zu verifizierenden – irrtümlichen Falschaussage unberücksichtigt.

Entsprechend dem fehlenden hypothesengeleiteten Vorgehen wird dann vor allem nicht geprüft, ob die Aussagen des Kindes im suggestiven Befragungsmarathon durch seine Mutter entstanden. Und damit eindeutig belegen, dass die Hypothese einer vollständig irrtümlichen Falschaussage als Beleg dafür herangezogen werden müsse, dass aufgrund dieser Aussagen nicht einmal ansatzweise ein Hinweis auf Erlebnisgrundlage gegeben ist.

Vielmehr missdeuten sie häufig unspezifische Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern als Zeichen für sexuelle Gewalt bzw. sexuellen Missbrauch.

Gleichzeitig verfangen sie sich in den Anschuldigungen gerne in Zirkelschlüssen, wonach eine Traumatisierung des Kindes wohl als Folge des sexuellen Missbrauchs zu werten sei. Bei diesem Vorwurf handelt es sich um einen klassischen Zirkelschluss, bei dem die fragliche Traumatisierung als Beleg für sexuellen Missbrauch bewertet wird, obwohl dieser noch eines Beweises bedarf und ggf. dann die Traumatisierung als Folge des sexuellen Missbrauchs gedeutet werden könnte.

Befangenheit?

Auffallend ist, dass immer wieder familiengerichtliche Sachverständige per se selbst davon überzeugt sind, d a s s sexueller Missbrauch stattgefunden hat. Diese Täter-Opfer Überzeugung versuchen sie sodann offenbar, mit völlig ungeeigneten Hinweisen zu belegen wie etwa der Prüfung der Glaubwürdigkeit der Mutter bzw. der Glaubwürdigkeit des Vaters als Beleg für den vermuteten sexuellen Missbrauch.

Dies ist bereits methodisch falsch. Denn abgesehen davon, dass es ohnehin nie um die personenbezogene Glaubwürdigkeit eines Zeugen geht, sondern ausschließlich um die Glaubhaftigkeit seiner Aussage, ist die Mutter nicht die Belastungszeugin, deren Aussage auf Glaubhaftigkeit zu prüfen ist, sondern das Kind.

Methodische Fehler in familiengerichtlichen Gutachten

Auffallend ist weiter immer wieder das Fehlen einer Operationalisierung der gerichtlichen Fragestellung und ein Erläuterung des methodischen Vorgehens wie etwa eine ausführliche Darstellung der Bindungen und Beziehungen der Kinder zum Umgang suchenden und betreuenden Elternteil (z. B. durch die Interaktionsbeobachtung), ferner Erziehungs- bzw. Umgangsfähigkeit der Eltern und die Fähigkeit und Bereitschaft zur Reflexion eigenen Verhaltens im Zusammenhang mit einer Umgangsregelung. Und vor allen Dingen die Beziehung zwischen beiden Elternteilen, ferner die Einstellung des betreuenden Elternteils zu Umgangskontakten im Zusammenhang auch mit Bindungstoleranz etc. Ferner: Ist z. B. der Vater in der Lage, eine stabile Beziehung zu seinen Töchtern wieder aufzubauen, aufrechtzuerhalten und zu fördern? Gibt es bei ihm Beeinträchtigungen der Umgangsfähigkeit? Bestehen Defizite hinsichtlich der Betreuungs- und Versorgungskompetenzen, kann er die Bedürfnisse seiner Kinder erkennen und angemessen darauf eingehen, akzeptiert der Vater den Lebensmittelpunkt der Kinder bei der Mutter und ihre Rolle als Mutter? Können Unterstützungsmaßnahmen ergriffen werden, um mögliche Defizite bei beiden Eltern auszugleichen? Besteht eine Bereitschaft zum Annehmen professioneller Hilfen, wie ist die Kooperation (Bereitschaft/ Fähigkeit) der Eltern untereinander zu bewerten u. a. m.

Forensische Aussagepsychologie einzige anerkannte Methode

Indes existiert zur Prüfung der Erlebnisgrundlage über Aussagen angeblicher sexueller Missbrauchserfahrungen nur eine wissenschaftlich begründete Methode – und das ist die der forensischen Aussagepsychologie.

Diese versteht eine jede Zeugenaussage, ob der Väter, der Mütter, der Kinder (bzw. der Jugendlichen) oder anderer Zeugen, per Definition als kognitive Leistung, deren Wahrheitsgehalt mit geeigneten methodischen Mitteln überprüft wird.

Arbeitsweise der forensischen Aussagepsychologie

Entsprechend dem üblichen Prozedere einer wissenschaftlich begründeten Begutachtung von Zeugenaussagen zur Glaubhaftigkeit erfolgt dieses hypothesengeleitet, d. h. es werden zunächst Erklärungen darüber aufgestellt, ob die Aussagen eines Zeugen auch anders als durch das behauptete Gewalt-Ereignis erklärt werden können.

Die hierbei relevanteste Untersuchungshypothese dürfte sein, dass die fraglichen Aussagen des Zeugen irrtümliche Falschaussagen sind aufgrund massiver suggestiver Beeinflussung.

Wesentliches Instrumentarium der Aussagepsychologie ist demnach, nicht nur zwischen wahrer und bewusst falscher Anschuldigung zu unterscheiden. Sondern die Hypothese aufzustellen, dass die der Zeuge aufgrund motivationaler und autosuggestiver Prozesse verstärkt durch vermeintliche „objektive Beweise“ irrtümliche Behauptungen über etwa sexuellen Missbrauch gemacht haben könnte.

Dabei ist insbesondere bei Zeugenaussagen über sexuellen Missbrauch von Kindern die bewusste Falschaussage die absolute Ausnahme. Vielmehr ist fast immer – in der Regel die Mutter – vom Wahrheitsgehalt ihrer Aussage über angeblichen sexuellen Missbrauch des Beschuldigten überzeugt.

Auf diese Weise vermag die Aussagepsychologie insbesondere zu berücksichtigen, dass Verhaltensauffälligkeiten, die häufig bei Kindern bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch zu beobachten sind, keine spezifischen Hinweise auf sexuellen Missbrauch sind.

Vielmehr sind sie unspezifisch, d. h. können auch andere Ursachen haben.

Wie in den Wormser Prozessen…

Im Ergebnis wiederholen sich damit die Zeiten der sog. Wormser Missbrauchsprozesse, der bekanntesten Missbrauchsprozesse in Deutschland, des letzten Jahrhunderts:

Denn in Folge der höchst subjektiven Befragungsmethoden der Kindsmutter und ihrem extremen Drang, ihre in blindem Hass konstruierten Annahmen, ihr Ehemann missbrauche die gemeinsame Tochter, zu verifizieren, kam es auch hier zu einer Ansammlung geradezu abenteuerlicher Aussagen, die in ihrer Qualität und Absurdität an Aussagen der Kinder an den berühmten Wormser Prozess erinnern. So etwa bekundet das Kind letztendlich u.a., der Vater habe ihr eine Bohrmaschine an den Kopf gehalten und mit Zigaretten die Oberschenkel verbrannt; sie auf einem Stuhl und auf dem Esstisch gefesselt, mit ihr Oralverkehr gemacht und ihr Sexposen einstudiert.

Glücklicherweise gipfelten – und endeten sodann -, die Wormser Missbrauchsprozesse darin, dass einem Mädchen im Alter von fünf Jahren von allen Beteiligten (Kriminalpolizei, Staatsanwaltschaft) alle Bekundungen über sexuellen Missbrauch geglaubt wurde, bis sie eines Tages aussagte, dass sie von der Staatsanwältin sexuell missbraucht worden sei.

Mit der juristisch positiven und längst überfälligen Folge der berühmten BGH-Entscheidung im Jahr 1999 zu den Mindestanforderungen an strafprozessuale Glaubhaftigkeitsgutachten. Seither ist die forensische Aussagepsychologie in Justiz und Verteidigung endgültig anerkannt. Es besteht also die begründete Hoffnung, dass mittels der Aussagepsychologie auch die hier beschriebenen absurden Beschuldigungen meines Mandanten ein Ende finden. Und insbesondere mein Mandant im Lauf der Zeit wieder zu einem normalen und unbehelligten Leben, in dem er seine Töchter aufwachsen sieht, zurückfindet.