Aussagepsychologie für die Aufdeckung von Falschaussagen

Mit speziellen wissenschaftflichen Methoden stellt die Aussagepsychologie die Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen auf den Prüfstand. Ohne fundierte Kenntnisse des Verteidigers in diesem Bereich ist es mithin nicht möglich, effektiv und erfolgreich gegen den Vorwurf einer Sexualstraftat zu verteidigen. Dies gilt insbesondere für die Verteidigung gegen den Vorwurf sexueller Missbrauch von Kindern und den Vorwurf sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen, den Vorwurf Sexueller Übergriff, Vergewaltigung sowie sexuelle Nötigung.

Aussagepsychologie liefert wertvolle Verteidigungsansätze!

Denn aus der aussagepsychologischen Analyse der Belastungsaussage ergeben sich äußerst wertvolle Verteidigungsansätze. Absichtliche Falschaussagen (Lügen) wie auch irrtümliche Falschaussagen lassen sich mit den Mitteln der Aussagepsychologie schnell enttarnen. In vielen meiner gewonnenen Fälle konnte so nachgewiesen werden, dass es sich um eine vorgetäuschte Vergewaltigung gehandelt hat und die Vorwürfe der Klägerin auf tönernen Füßen standen. Die Angriffspunkte gegen die Glaubhaftigkeit der Belastungsaussage über eine angebliche Sexualstraftat ergeben sich also aus der Aussagepsychologie! Daher erspart meine sachliche Argumentation in der Verteidigerschutzschrift im Ermittlungsverfahren auf der Grundlage der Aussagepsychologie meinen Mandanten sehr häufig viel Leid und ein weiter andauerndes zermürbendes Strafverfahren. Denn die gegen sie erhobenen Vorwürfe können von einem Strafverteidiger Sexualstrafrecht auf diese Weise zumeist bereits in einem noch frühen Verfahrensstadium, insbesondere ohne die Erhebung einer Anklage sowie eine diffamierende Hauptverhandlung ausgeräumt werden.

Aufspüren bewusster Falschaussagen

Bewusste Falschaussagen entbehren zumeist schon bei näherer Betrachtung der Qualitätsmerkmale einer glaubhaften Aussage. Sie sind unglaubhaft.

Qualitätsmerkmale einer glaubhaften Aussage

Die Aussagepsychologie unterscheidet Allgemeine Qualitätsmerkmale einer glaubhaften Aussage und Spezielle Qualitätsmerkmale einer glaubhaften Aussage.

Zugleich ist die vergleichende Untersuchung der Schilderung von Randgeschehen und Kerngeschehen einer angeblichen Sexualstraftat mit Blick auf das Vorhandensein der jeweiligen Qualitätsmerkmale sehr aufschlussreich.

Allgemeine Qualitätsmerkmale einer glaubhaften Aussage

Allgemeine Qualitätsmerkmale einer glaubhaften Aussage sind u.a. der Detailierungsgrad der Aussage in Kerngeschehen wie Randgeschehen, und ihre logische Konsistenz (Fehlen von Brüchen und Widersprüchlichkeiten).

Ferner die in der Aussage sichtbare Gefühlsbeteiligung des Zeugen, mithin die Frage, ob sich inhaltliche Beschreibung und non-verbale Gefühlsreaktionen des Zeugen entsprechen. Ebenso, ob die Aussage zunächst unstrukturiert, also in freiem Bericht erfolgt oder nicht.

Fehlen bereits diese ersten Indikatoren, spricht einiges dafür, dass die Zeugin das von ihr geschilderte Geschehen tatsächlich nicht erlebt hat.

Spezielle Aussagemerkmale

Spezielle Aussagemerkmale und damit Indikatoren der Glaubhaftigkeit einer Aussage liegen vor, wenn raum-zeitliche Verknüpfungen in einer Aussage geschildert werden können, ferner die Schilderung von Interaktionen sowie die Schilderung eigenpsychischen Erlebens. 

Räumlich-zeitliche Verknüpfungen

  • kann die Zeugin die inkriminierte Handlung einem bzw. mehreren konkreten Orten und Situationen zuordnen?
  • (ferner) kann sie diese Örtlichkeiten sowie die Stellen, an denen sich die Beteiligten dort konkret befunden haben sollen, die angeblich innegehabten Körperpositionen der Beteiligten, Tageszeiten, Lichtverhältnisse, Jahreszeiten, beschreiben?

Schilderung von Interaktionen

  • kann die Zeugin Interaktionen beschreiben – etwa Reaktionen des Mandanten auf ihre Abwehrversuche?
  • kann sie einzelne Handlungen oder Aussagen des Mandanten in Folge ihres eigenen Verhaltens benennen?

Motivationsbezogene Aussagemerkmale: Präzisierbarkeit und Aussagekonstanz

Fehlen motivationsbezogene Aussagemerkmale in einer Belastungsaussage, bleibt die Aussage also inkonstant und wenig präzisierbar, lassen sich daraus weitere Angriffspunkte gegen die Glaubhaftigkeit der Aussage gewinnen.

Präzisierbarkeit der Aussage über die angebliche Sexualstraftat

Stark für eine absichtliche Falschaussage spricht auch, wenn die Zeugin bei ihrer Schilderung über den angeblichen sexuellen Übergriff bereits in der ersten Aussage bemüht ist, sämtliche Vorwürfe gegen den Beschuldigten „perfekt“ zu schildern. Dieser Eindruck verhärtet sich weiter, wenn sie auch in späteren Aussagen ihrer Schilderung über den angeblichen sexuellen Übergriff nichts mehr hinzuzufügen hat und der Vergleich zwischen erster Aussage über die angebliche Sexualstraftat und späterer Vernehmungen der Zeugin keinen wesentlichen Unterschied ergibt?

Umgekehrt gilt: verbessert die Zeugin ihre Aussage über die Sexualstraftat spontan? Belastet sie sich mit ihrer Aussage auch selbst und entlastet sogar den Beschuldigten? Räumt sie Erinnerungslücken ein? Dann handelt es sich zumindest auf den ersten Blick um eine glaubhafte Aussage; zumindest nicht um eine bewusste Falschaussage. Indes kann gleichzeitig eine irrtümliche Aussage über eine angebliche Sexualstraftat vorliegen – etwa aufgrund von Suggestion.

Aussagekonstanz

Um eine mögliche Falschaussage aufzuspüren, ist es weiterhin sehr hilfreich, die zeitlich aufeinanderfolgenden Belastungsaussagen der Belastungszeugin unter dem Aspekt der Aussagekonstanz zu vergleichen.

Dabei spricht eine durchgehende Aussagekonstanz gegen eine bewusste Falschaussage. Denn die Aussagepsychologie geht davon aus, dass sog. erlebnisfundierte Aussagen regelmäßig auch über längere Erinnerungsintervalle hinweg in ihren relevanten Aspekten konstant bleiben. 

Beschreibt die Zeugin ihre eigene Rolle bzw. Aktivität während der angezeigten Tathandlung konstant? Beschreibt die Zeugin die Tathandlungen des Beschuldigten sowie etwaiger weiterer Personen konstant? Erinnert sie den Tatort, die am Tatort während der Tat herrschenden Lichtverhältnisse, die während der angezeigten Tat innegehabte Körperposition der beteiligten Personen und etwaige bei der Tat handlungsrelevante Gegenstände konstant?

Dann liegt die Annahme einer bewussten Falschaussage zunächst fern. Indes wird sich dann oft zeigen lassen, dass die Aussage über die angebliche Sexualstraftat eine irrtümliche, meist suggerierte, Falschaussage ist.

Vergleich von Aussage über Kerngeschehen und Randgeschehen

Aufschlussreich ist die Betrachtung, ob Kerngeschehen und Randgeschehen einen unterschiedlichen Detailierungsgrad aufweisen und ob die seitens des Zeugen bei der Schilderung des Kerngeschehens gezeigte Gefühlsbeteiligung eine andere ist als bei der Schilderung des Randgeschehens.

Beschreibt die Zeugin bzw. der Zeuge beispielsweise das in Frage stehende, inkriminierte Kerngeschehen mit den gleichen begleitenden non-verbalen Gefühlsreaktionen wie das „Randgeschehen“, kann dies zeigen, dass sie/ er den Mandanten schlichtweg ablehnt.

Naturgemäß sprechen fehlende hinreichende Details zum Randgeschehen, während das Kerngeschehen nahezu „perfekt“ detailliert beschrieben wird, für sich - und damit gegen die Glaubhaftigkeit der Aussage.

Irrtümliche Falschaussage über Sexualstraftat (Suggestion)

Auch die auf den ersten Blick hochwertige Beschuldigung, die etliche aussagepsychologische Qualitätsmerkmale von typischen Aussagen über Sexualstraftaten aufweist, kann falsch und nicht glaubhaft sein!

Vielmehr sind die Qualitätsmerkmale von Aussagen einzig geeignet, die bewusste Falschaussage, mithin die Lüge, aufzudecken. Indes versagen sie bei der Unterscheidung zwischen einer bewussten Falschaussage und einer irrtümlichen, also unbeabsichtigten Falschaussage. In aller Regel ist die irrtümliche Falschaussage über eine Sexualstraftat die Folge von Suggestion, was in der Verteidigerschutzschrift so früh wie möglich gegenüber der Staatsanwaltschaft darzulegen ist.

Aufspüren von Suggestion: Analyse der Aussagegenese und Entwicklung

Ist die Aussage über die Sexualstraftat die Folge von Suggestion,

zeigt sich dies regelmäßig im Rahmen der in diesem Fall dringend erforderlichen Betrachtung der Entstehungsgeschichte der Aussage sowie ihrer Entwicklungsgeschichte. Konkret stellt sich hier die Frage, unter welchen Bedingungen und gegenüber welcher Person die Aussage über die angebliche Sexualstraftat erstmals entstand? Welchen Personen „vertraute“ sich die Zeugin an? Wie reagierte der Empfänger der Erstaussage? Welchen Einfluss hatte die Reaktion der weiteren Personen über die Offenbarung der angeblichen Sexualstraftat auf die jeweils weitere Entwicklung der Aussage?

Verfügt die Zeugin über hinreichende Kontrollmöglichkeiten gegenüber Suggestiveinflüssen?

Zumeist handelt es sich zunächst nur um die Schilderung eines harmlosen und nicht inkriminierten Geschehens. Oder um eine übertriebene Schilderung, mit der sich die Zeugin Dritten gegenüber „wichtig“ machen wollte. Erst durch die Reaktionen des Umfelds, mithin der „Aussageempfänger“ entwickelt sich die ursprüngliche Aussage zu der (objektiv zunächst glaubhaften) Behauptung einer Sexualstraftat, von deren Erlebnisgehalt die Zeugin mit der Zeit selbst immer mehr überzeugt ist.

Ein verstärkendes Element: die Projektion eigener Erfahrungen

Verstärkt wird dieser Prozess naturgemäß dann, wenn ein Aussageempfänger in der Vergangenheit selbst tatsächlich Opfer einer Sexualstraftat war. Vor dem Hintergrund eigener, realer Erfahrungen wird sie ihre Reaktion auf die nunmehr – falsche- Behauptung der Sexualstraftat seitens der späteren Belastungszeugin ausrichten. Möglicherweise wird sie geschlossene Fragen nach Details der angeblichen Sexualstraftat stellen. Diese werden zwangsläufig weiter dazu beitragen, dass die spätere Belastungszeugin die (fremden) Erfahrungen immer mehr als eigene übernimmt; zunehmend als „tatsächlich selbst erlebt“ empfindet, und dadurch subjektiv von der Richtigkeit der Falschinformationen überzeugt ist.

Weiteres Verstärkungselement: Die „Opferrolle“

Leider „gefallen“ sich etliche Zeugen auch zunehmend in der Opferrolle. Endlich wird ihnen vielleicht die Aufmerksamkeit und die Rücksicht zuteil, die sie sich immer gewünscht haben; und dient die angebliche Sexualstraftat als willkommene innere Rechtfertigung für jeglichen Knick in der eigenen Biographie.

Bei Unklarheiten fragen Sie gerne jederzeit unter folgender Nummer nach 0621 33 58 356 oder nutzen das Kontaktformular. Kontaktieren Sie mich