Forensische Aussagepsychologie (Aussageanalyse), Glaubhaftigkeit

Aufgrund der bei der Verteidigung gegen die Vorwürfe Sexuelle Nötigung, Vergewaltigung und sexueller Missbrauch zumeist gegebenen Aussage-gegen-Aussage-Konstellation ist die Forensische Aussagepsychologie fester Bestandteil im Sexualstrafrecht geworden. Denn zumeist entscheiden Erfahrung und Kenntnisse des Verteidigers in der Aussagepsychologie und Aussageanalyse über Einstellung des Verfahrens oder Freispruch.

Kriterien gegen den Wahrheitsgehalt der Belastungsaussage sind hier u.a. Widersprüche und fehlende Konstanz in der Belastungsaussage; Möglichkeiten falscher Erinnerungen, Fremd- und Autosuggestion sowie die Aussagetüchtigkeit des Opferzeugen.

Denn nur so kann der Verteidiger entscheiden, ob ein Beweisantrag zur Einholung eines aussagepsychologischen Gutachtens das Verfahren für den Mandanten positiv entscheiden kann; und, bejahendenfalls, welcher psychologische oder psychiatrische Gutachter der Staatsanwaltschaft bzw. dem Gericht im Einzelfall vorgeschlagen werden soll.

Weiter gilt es für die Verteidigung, mittels aussagepsychologischer Kenntnisse zu prüfen, ob ein bereits vorliegendes Gutachten richtig erstellt worden ist und dieses gegebenenfalls, wenn es negativ für den Mandanten ist, anzugreifen; dies gegebenenfalls mittels eines methodenkritischen Gutachtens.

Insbesondere gilt es hier für die Verteidigung, zu prüfen, ob ein aussagepsychologisches Gutachten die seitens des BGH postulierten Mindest-Kriterien erfüllt.

Hilferufe nach Aufmerksamkeit

Daneben sind es oft Hilferufe nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, die ein Kind zu diffusen Andeutungen eines „sexuellen Missbrauchs“ veranlassen. Zumeist werden derartige Äußerungen sodann von einer „versammelten Opferhilfe-Industrie“ aufgegriffen, was dem Kind die Richtigstellung seiner Äußerung nahezu unmöglich macht.

Bedeutung aussagepsychologischer Gutachten für die Verteidigung

Aussagepsychologische Gutachten dienen der Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Zeugen. Die Bedeutung aussagepsychologischer und psychiatrischer Gutachten ist immens! Denn –gegenüber Sachbeweismittel- ist der Zeugenbeweises dasjenige Beweismittel, welches am meisten fehleranfällig ist. Sei es, dass sich Zeugen tatsächlich irren. Oder sei es, dass Zeugen –insbesondere in Sexualstrafverfahren- schlichtweg die Unwahrheit sagen!

Zugleich entscheidet der Richter nach freier richterlicher Überzeugung, mithin nach seiner ureigenen und privaten Überzeugung, welchem Zeugen bzw. Verfahrensbeteiligten er glaubt. Leider zeigt die Erfahrung, dass Richter wie Staatsanwälte bei der Beurteilung der Delikte sexuelle Nötigung, Vergewaltigung und sexueller Missbrauch häufig intuitiv geneigt sind, dem „Opfer“ zu glauben. Dies macht die Einholung eines aussagepsychologischen Gutachtens für die Verteidigung so wesentlich bei Zweifeln an der Glaubhaftigkeit einer Zeugenaussage.

Psychiatrische Gutachten

Teilweise bieten sich auch Beweisanträge auf die Einholung psychiatrischer Gutachten an. Dies etwa, wenn es gilt zu klären, ob die Belastungsaussage durch eine psychische Erkrankung zustande gekommen ist. Psychiatrische Sachverständigengutachten dienen der Beurteilung der Glaubhaftigkeit einer Aussage. Ebenso bieten sich psychiatrische Gutachten zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit kindlicher Zeugenaussagen an.

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