Eine Frau ?!

Noch immer stoße ich zuweilen auf Unverständnis, wie ich denn - insbesondere „als Frau“ - „Vergewaltiger und Kinderschänder“ verteidigen kann!

Kann ich denn überhaupt „Vergewaltiger und Kinderschänder“ verteidigen, obwohl ich doch eine Frau bin? – Die Antwort ist ein klares „ja“. Ja, natürlich kann ich das; und zwar umso besser, weil ich eine Frau bin!

Denn gerade als Frau weiß ich – und missbillige ich zutiefst! – auf welche perfide Art und Weise und aus welchen absurden Motiven Frauen zu einer Falschanzeige gegen einen Mann in der Lage sind und damit erreichen, seine berufliche und bürgerliche Existenz bis hin zum Suizid zu vernichten! Dies zu sehen und nicht dagegen anzukämpfen wäre mir nicht erträglich!

Dies, zumal sich etliche „Kinderschänder“ als liebevolle Väter herausstellen, deren geschiedene oder getrennt lebende Ehefrau oder ehemalige Lebensgefährtin schlicht den Kindesumgang und das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder nehmen möchte. Und etliche „Vergewaltiger“ als Ex-Partner, die sich von der Dame getrennt hatten oder schlicht nach einem one-night-stand keine Beziehung mit ihr eingehen wollten bzw. ihre Gefühle nicht erwiderten.

Hinzu kommt: in 99 % der Fälle geht es um Frauen als Belastungszeuginnen und – zumeist – vermeintliche Geschädigte. Zugleich geht es in der Verteidigung im Sexualstrafrecht bei der Befragung der (vermeintlichen) Opfer regelmäßig um sehr intime Fragen. Denn gerade auf deren Beantwortung kommt es an, wenn es darum geht, die Glaubhaftigkeit der Aussage der Zeugin zu erschüttern. Und es kommt darauf an, „wie“ man fragt – idealerweise empathisch und mit Fingerspitzengefühl. Als Frau – und nur als Frau – kann ich einer weiblichen Zeugin Fragen stellen, die, würde sie ein Mann stellen, mit großer Wahrscheinlichkeit anders – und im Ergebnis für die Verteidigung weniger befriedigend- beantwortet würden.

Dabei ist natürlich auch zu differenzieren, ob die entsprechende Dame eine offenbar bewusste Falschaussage macht. Oder, ob sie sich selbst – zumeist nach ausgiebiger Psychotherapie- bereits derart in ihre Vorstellungen verrannt hat, so dass sie selbst von dem Wahrheitsgehalt ihrer Bekundungen überzeugt ist.

In beiden Fällen neigen noch immer etliche Gerichte und insbesondere Staatsanwälte zu vorschnellen Vorverurteilungen, indem sie den Aussagen der Dame vorschnell Glauben schenken. Dies insbesondere dann, wenn diese in Tränen aufgelöst bekundet, allein durch die Konfrontation mit dem Mandanten eine Verschlimmerung ihrer von ihm – in ihrer Vorstellung- verursachten „Posttraumatischen Belastungsstörung“ zu erleiden. Und nicht selten erntet die Verteidigung Missbilligung allein dafür, dass sie denn überhaupt „wagt“, der Zeugin Fragen zu stellen.

Aus diesem Grund wurde ich bereits häufig von Mandanten, die sich zunächst durch einen männlichen Kollegen verteidigen ließen, gebeten, sie in der Hauptverhandlung gemeinsam mit dem bereits mandatierten Verteidiger zu verteidigen. Fragen an die Zeugin lassen sich dann aufteilen. Denn „Frauen fragen anders“ und stärken damit die Verteidigung!